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2026-08-30 Predigt Mt16,21-27, Das Kreuz annehmen, Pfarrer Erich Renner

30. August 2026

Liebe Pfarrgemeinde,

letzten Sonntag hat Jesus den Petrus seliggepriesen. Selig bist du, Simon Barjona, denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Und heute nennt Jesus den Petrus Satan.

Weg mit dir, geh mir aus den Augen. Wie passt das zusammen?

Nun, letzten Sonntag hat Petrus eben das gesagt, was der Vater ihm gezeigt hat, was der Heilige Geist ihm eingegeben hat. Er konnte es nicht von sich aus wissen, dieses Bekenntnis, du bist der Sohn des lebendigen Gottes.

Aber heute spricht Petrus nicht im Heiligen Geist, wenn er das zurückweist, was Jesus ankündigt, dass er leiden, sterben und auferstehen wird. Das darf nicht mit dir geschehen! Dieser Einwand des Petrus ist nicht von Gott, sondern das ist aus ihm herausgekommen, sein Widerstand gegen das Leiden, denn er wusste, ich gehöre ja zu Jesus, und wenn Jesus das trifft, dann wird es auch mich treffen.

Petrus hat nicht im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. Was wollen denn wir Menschen? Wir Menschen wollen ein Leben ohne Kreuz. Ist sehr verständlich, aber ziemlich unrealistisch, denn die meisten Dinge im Leben, das meiste vom Kreuz, dem können wir nicht ausweichen, ob wir wollen oder nicht.

Wir Menschen wollen ein Leben ohne Krankheit. Ja, das ist schön, und wir dürfen auf unsere Gesundheit achten und alles tun, um sie lange zu erhalten. Aber wenn die Gesundheit zur Religion wird, wenn ein Mensch mit Behinderung am besten gar nicht leben darf, dann wird es schwierig.

Was wollen denn wir Menschen? Wir Menschen wollen ein Leben möglichst ohne Misserfolg, wo alles funktioniert, aber das ist eine Utopie. Wir sind Menschen mit Grenzen und Fehlern, und im Leben läuft nicht alles so glatt. Und je mehr wir uns darauf einstellen, umso leichter ist es für uns, umso weniger Enttäuschungen müssen wir erleben. Enttäuschungen, wo wir uns getäuscht haben, wo wir meinten, es muss alles immer funktionieren.

Ja, wir Menschen wollen am liebsten ein Leben ohne Sterben und Tod, aber das funktioniert auch nicht, denn da kommt keiner aus, wenn wir es heute noch so verdrängen auf ganz raffinierte Weise, das Thema Sterben.

Was will dann Gott von uns? Er will, dass wir das Unvermeidliche annehmen. Denn, wie gesagt, das meiste von dem, was wir Kreuz nennen, das ist unvermeidlich. Es ist besser, es anzunehmen, als sich dagegen zu wehren, zu sträuben und es dann doch tun zu müssen, es dann doch tragen zu müssen.

Und das ist eben die Nachfolge Jesu. Wer sein Jünger sein will, der muss diesen Weg gehen, den lädt er ein heute: Geh diesen Weg, folge mir nach, denn dieser Weg ist nicht nur letztlich leichter, wenn man es annimmt, wenn man sich nicht dagegen sträubt, sondern es ist der Weg zum Heil und der Weg zum ewigen Leben.

Denn das hat ja der liebe Peters überhört. Ja, leiden hat er gehört, sterben hat er gehört, aber von der Auferstehung, das hat er gar nicht so richtig mehr erfasst. Das ist eben das Ziel, dass der Herr will, dass wir alle an seiner Herrlichkeit und Freude teilhaben, und der Weg dorthin ist die Nachfolge Jesu.

Ja, das meiste also, was das Kreuz betrifft, ist unvermeidlich. Aber, meine Lieben, es gibt auch ein vermeidbares Kreuz. Und darum geht es heute letztlich vor allem im Evangelium, denn Jesus hätte sein Kreuz ja verhindern können. Er hätte dann spätestens bei der Verhandlung vor dem Hohen Rat seinen Anspruch aufgeben können, seine Botschaft relativieren können. Er hätte Gott, seinen Vater, verleugnen können. Ja, er hätte sogar vom Kreuz herabsteigen können. Die Schiffgelehrten haben es ihm ja zugerufen: Wenn du Gottes Sohn bist, steig herab vom Kreuz. Ja, das hätte Jesus tun können. Er hätte dazu die Macht gehabt als Gottes Sohn.

Aber er hat es nicht getan. Warum? Weil daran die ganze Erlösung hing. Sein ganzes Rettungsprojekt wäre dann gescheitert.

Wir werden nicht ohne Kreuz, sondern durch das Kreuz erlöst. Und das war der Weg Jesu. Und das ist eben auch unser Weg.

Also Jesus ist diesen Weg gegangen. Er ist nicht vom Kreuz herabgestiegen, um uns zu erlösen und zu retten.

Und wir sind auch in dieser Versuchung, vom Kreuz herabzusteigen. Dem Kreuz dort, wo es vermeidbar ist, auszuweichen, den bequemeren Weg zu gehen, ein angenehmeres Leben zu haben, beliebter zu sein, dort, wo wir vielleicht mit dem Evangelium anecken. Und das Evangelium war immer schon so, dass es zwar die frohe Botschaft ist von der Erlösung, dass aber nicht alles, was Jesus gesagt hat, wirklich so ganz leicht zum Umsetzen ist oder allen so schmeckt.

Und da ist heute nur ein Bereich, dass wir das Evangelium doch versucht sind zu verwässern, wenn es darum geht, zum Beispiel einzutreten für die Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau.

Wenn es darum geht, das Leben am Ende zu verteidigen und nicht Euthanasie oder assistierten Suizid zu befürworten, wie es sich immer mehr ausbreitet, wo dieser Druck auf alte Menschen ja ausgeübt wird. Mach deinem Leben am besten ein Ende, da müssen wir nichts mehr zahlen für dich. Ganz krass gesagt, aber das steht ja irgendwo auch dahinter.

Ja, und wir sind versucht, auch den leichteren Weg zu gehen und zum Beispiel das Thema Gender einfach zu ignorieren oder zu schweigen dazu. Nur ein Beispiel, was ich letzte Woche gehört habe, real passiert, vor kurzem. Ein sechsjähriges Kind sagt in der Schule zu seiner Lehrerin:  Ich weiß nicht, ob ich ein Junge oder ein Mädchen bin.

Meine Lieben, da läuft etwas schief, und zwar ganz gewaltig. Wenn wir da einfach als Christen schweigen und alles tolerieren oder sogar noch gutheißen, dann sind wir eben jene, von denen der Herr heute spricht, wer sein Leben retten will, der wird es verlieren. Wenn wir dem Kreuz ausweichen, wird es uns einholen.

Und vor allem, wir enthalten den Menschen die Wahrheit vor. Es geht nicht darum, Menschen zu verurteilen, und jeder darf auch leben, wie er will. Aber die Wahrheit müssen wir sagen, um auch Menschen vor Irrtum und falschen Wegen zu bewahren.

Denn die Wahrheit macht frei. Das ist das Evangelium. Nicht der nette, liebe Gott, der alles für gutheißt und absegnet, sondern die Wahrheit, die befreit, was manchmal auch mit Umkehr oder neuer Erkenntnis verbunden ist.

Und darum sagt Paulus heute in der Lesung ganz deutlich: Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist. Wandelt euch, erneuert euer Denken. Und das, meine Lieben, ist heute das Gebot der Stunde.

Nicht die Angleichung an die Welt, sondern die Erneuerung des Denkens, gegen den Strom schwimmen. Und wenn wir so die letzten Jahrzehnte betrachten in der Kirche in Deutschland, nehmen wir nur mal unser Land hier, da müssen wir doch ehrlich, mal ganz ehrlich sein, uns nichts vormachen. Einfach nur ehrlich hinschauen und sagen, was ist passiert?

Die Tendenz, sich der Welt anzugleichen, ist heute extrem ausgeprägt bei uns. Hat es die Kirchen voller gemacht? Hat es verhindert, dass so viele aus der Kirche austreten oder einfach nicht mehr kommen? Ist die Kirche dadurch in der Gesellschaft eine relevante Größe geblieben, die man hört, an die man sich hält, nach der man sich ausrichtet? Und haben wir das erreicht, was viele mit bester Absicht hier zu erreichen versucht haben?

Und wenn wir noch weiter zurückschauen in die Kirchengeschichte, meine Lieben, in die ersten Jahrhunderte der Kirche, wie war es da? Da war die Kirche eine kleine Minderheit gegen den Rest der Welt, im Römischen Reich, im Heidentum. Und sie hat sich durchgesetzt, diese Botschaft hat sich durchgesetzt, obwohl oder vielleicht weil so viele dafür auch gestorben sind als Märtyrer.

Weil die anderen gesagt haben, seht, wie sie einander lieben. Das war überzeugend, das war interessant. Nicht das Mit-dem-Strom- Schwimmen in einer Welt, wo die politischen Verhältnisse sich aufgelöst haben, wo die Moral am Boden war, sondern eben durch das Gegen-den –Strom-Schwimmen wurden die Christen interessant und hat dieser Glaube viele begeistert.

Und das ist eigentlich die missionarische Kraft der Kirche, meine Lieben. Nicht das Sich-Angleichen und überall mitschwimmen, sondern eben zur Wahrheit des Evangeliums stehen, mit Liebe, mit Geduld, ohne Menschen zu verurteilen, einfach die Wahrheit zu sagen, mit den Menschen den Weg zu gehen und auch zu fragen, ja, wie schaut es aus? Bist du so zufrieden oder ist doch vielleicht ein anderer Weg besser?

Wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Das ist die missionarische Kraft der Kirche. Letztlich das Kreuz, dem wir so gerne ausweichen. Durch das Kreuz sind wir erlöst, und das Kreuz hat diese Kraft der Mission in sich, die wir heute brauchen in dieser Welt, in die der Herr uns hineingestellt hat.

Der Tipp der Woche zum Schluss. Versuche in dieser Woche, wenn etwas Unangenehmes, Schweres auf dich zukommt, sei es nun vermeidbar oder nicht, es anzunehmen und nicht zu tun, was du willst, sondern was Gott will. Amen.