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2026-08-22 Predigt Mt16,13-20, Petrus, der Fels, Pfarrer Stephan Rödl

22. August 2026

Liebe Schwestern und Brüder, Sie alle wissen es, seit dem Jahr 2025 dürften wir als katholische Kirche, als katholische Christen Papst Leo als Oberhaupt unserer Weltkirche haben und in der Geschichte, wenn ich mich nicht verzählt habe, ist er der 267. Bischof von Rom und damit auch der Nachfolger des heiligen Petrus, von dem heute im Evangelium die Rede war.

Das heutige Evangelium wird häufig auch als Beleg für die Berufung des Petrus zum ersten Papstes der Kirche herangezogen, denn wir haben es ja gerade gehört, dort ist Petrus zum Felsen berufen, auf dem die Kirche erbaut werden soll.

Und noch dazu erhält er die Gewalt der Sündenvergebung genauso zugesprochen, wie Dinge zu lösen und zu binden. Andererseits aber ist auch klar, dass Matthäus sein Evangelium bereits mit einer festen theologischen Idee, mit einer Interpretation versehen hat und für Matthäus stand natürlich fest, Petrus und die weiteren Jünger sind von Jesus eingesetzt, um die Kirche zu leiten, sie waren ja der Kreis um Jesus herum. Ob das heutige Evangelium ein Beweis dafür ist, dass das Papstamt eingesetzt worden ist oder ein Bericht für die Tatsache, dass der Matthäus das als Tatsache so wahrgenommen hat, das entzieht sich unserer Belegbarkeit heute.

So ist es nicht allzu erstaunlich, dass bereits der heilige Augustinus, aber auch der Katechismus der Weltkirche und auch das letzte Konzil zum heutigen Evangelium eine ganz andere Frage stellen, nämlich die Frage, wie wurde Petrus zum Felsen für seine Kirche, wie konnte auf ihm die Kirche erbaut werden? Und hier sehen wir zunächst ja keinen perfekten Menschen ohne Fehler und Sünden, sondern einen Jünger Jesu voller Menschlichkeit und auch Schwächen. Aber was ihn von seinen Zeitgenossen unterscheidet, ist eines. Er hört Jesu Ruf, er hört nicht weg, sondern er nimmt ihn bewusst wahr und folgt ihm aus vollem Herzen nach und er bekennt sich zu diesem Jesus.

Noch einmal anders gesagt, ohne persönliche Erkenntnis, wer dieser Jesus für sein Leben ist, kann er nicht Jünger Jesu werden. Und nur mit dem zweiten Schritt, mit dem klaren Bekenntnis im heutigen Evangelium, ja, du bist der Sohn des lebendigen Gottes, kann er erst zu dem werden, was er ist, der Sprecher des Apostelgremiums und nach unserer katholischen Zählweise auch der erste Papst, der erste Hirte der Kirche nach Jesus selbst. Nicht die eigene Macht, nicht riesiges Wissen oder Geldvermögen, sondern allein das Wissen darum, sich mit den eigenen Fehlern und Schwächen in den Dienst Gottes rufen zu lassen und sich vor der Welt zum Sohn Gottes zu bekennen.

Liebe Schwestern und Brüder, dieser gedankliche Ausflug in die Ursprünge unserer Kirche zeigt für mich klar und deutlich, auch heute noch muss jeder von uns Gott in seinem Leben zunächst hören und sehen wollen, muss ihn persönlich erkennen. Und zur Erkenntnis gehört im zweiten Schritt auch das Bekenntnis eines jeden von uns, ja, auch für mein Leben Herr bist du wirklich der Sohn des lebendigen Gottes, auch in einer Welt, die das manchmal weder Wissen noch hören möchte. Das gilt nicht nur für die Nachfolge des heiligen Petrus, für den heutigen Heiligen Vater, sondern für jeden von uns auf seinem Platz in Kirche und Gesellschaft, dort, wo Gott uns eben hingestellt hat.

Sicher ist das, wie so oft, nicht einfach. Zunächst muss ich Gott in meinem Leben erkennen und dann soll ich ihn auch im Leben vor den anderen noch bekennen. Das ist und bleibt eine Herausforderung, auch für mich zugegeben.

Aber darum wusste sicher auch Petrus, von dem wir auch in der Heiligen Schrift hören, dass er manchmal auch scheiterte, zum Beispiel beim Kohlenfeuer bei der Passion, als er dreimal Jesus verleugnet hat. Auch er braucht im mehrfachen Anlauf neue Motivation und Tiefe aus der Auferstehung Jesu heraus, um seine Aufgabe gerecht zu erfüllen, um sich wirklich ganz und gar zu Jesus bekennen zu können.

Aber eines ist für mich trotzdem sicher, wenn ein ganz normaler Mensch wie er es schaffen dürfte, die noch junge Kirche zu führen mit dem Bekenntnis zu Jesus, dann dürfen auch wir darauf vertrauen, dass es uns ebenso gelingt, an unserer Stelle zu Christus zu stehen im Leben, unser Leben von ihm führen zu lassen und unser Bekenntnis zu ihm in der Welt zu bezeugen.

Amen.