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2026-08-16, Predigt Mt 15,21-28, unerschütterlicher Glaube, Pfarrer Stephan Rödl

16. August 2026

Liebe Schwestern und Brüder,

es gibt Evangelien, zu denen zu predigen es wirklich schwer ist. Eines davon das heutige Sonntagsevangelium.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen beim Zuhören gerade ging: Aber irgendwie hat man den Eindruck, dass diese Zeilen aus dem Matthäusevangelium in ihrer Gesamtheit irgendwie sonderbar sind.

Da kommt eine Frau zu Jesus und bittet um Heilung. Und Jesus lässt die Frau zwei Mal abblitzen. Die Begründung dafür ist hart: Er sei für eine Nicht-Jüdin gar nicht zuständig.

Etwas später auch noch der Vergleich mit den Hunden, denen er nichts geben können. Und das aus Jesu Mund. Ich meine, spätestens hier merkt jeder von uns, dass es genau hinzuschauen gilt, was wirklich drinsteckt im heutigen Evangelium.

Und damit sind wir in guter Gesellschaft: Schon Theologen wie Martin Luther haben sich an diesem Evangelium versucht. Seine Erkenntnis dazu:

Die Frau hat einen tiefen Glauben, der auch Zurückweisung erträgt. Und nur der Glaube – sola fide – hat sie gerettet. Doch warum die Zurückweisung durch Jesus in dieser harschen Form?

Ein weiterer Blick ins Evangelium hinein kann uns auf die Spur bringen. Jesus war zunächst zum Volk Gottes, zum Volk Israel gesandt. Also zu den Kindern Gottes, nicht zu den Ungläubigen, den Hunden. Und doch will Matthäus heute klar machen: Die Botschaft vom Reich Gottes kennt keine Grenzen, keine Volkszugehörigkeit, sondern ist für alle Menschen gedacht. Wenn Jesus heute also zwei Mal die Frau abweist, die um Heilung bittet, spiegelt sich darin das Ringen der noch jungen Gemeinde wieder zu akzeptieren, dass nicht nur einige Auserwählte, sondern ALLE in die Nachfolge gerufen sind.

Und zu guter Letzt eine dritte Ebene:

Die Frau im heutigem Evangelientext hat Ausdauer im Glauben. Denn auch gläubige Menschen – so die klare Botschaft – müssen manchmal im Leben Rückschläge aushalten, ertragen. Am Ende aber lohnt es sich auf Christus zu vertrauen, der allein alle Wunden heilen kann.

Liebe Schwestern und Brüder,

drei Ebenen sind es, die sich im heutigen Evangelium überlagern. Und damit ist dieser Text beileibe kein einfacher Schrifttext. Und doch: Beim genauen Hinsehen merken wir, dass er für unser Leben so einiges an Hinweisen bereithält:

Gottes Ruf ergeht an alle Menschen. Damals Juden wie Heiden, heute an alle Menschen, die ihn erkennen wollen. Die junge Gemeinde tat sich damit noch schwer, fand aber dann den richtigen Weg, alle Gläubigen zu integrieren. Ein Fingerzeig für uns als Kirche, auch heute nicht über den Glauben anderer Mitchristen zu urteilen. Und der Glaube hat die Frau gerettet. Oder besser gesagt:

Ihr unerschütterlicher Glaube daran, dass dieser Sohn Gottes wirklich alle Macht hat, um selbst die verfahrenste Situation zu lösen. Auch dann, wenn es ein, ja zwei Mal nicht danach aussieht. Amen.