Zum Hauptinhalt springen

2026-08-15, Predigt LK 1,39-56, Mariä Himmelfahrt, Pfarrer Stephan Rödl

15. August 2026

Liebe Schwestern und Brüder, ich kann mich noch sehr, sehr gut daran erinnern, als ich vor ungefähr 30 Jahren, so lange ist das schon her, als Schüler, damals aus dem Gymnasium bei den Domspatzen mit einem Mitschüler zusammen, am heutigen Tag, am 15. August, Sie alle wissen es, zur großen Feier in Mariaort draußen war, wo der heutige Festtag zugleich Patrozinium ist in der Wallfahrtskirche.

Da gab es die wunderbare feierliche Messe mit einer tollen Festpredigt damals.

Den Inhalt dürfen Sie mich nach 30 Jahren nicht mehr fragen, aber es war grandios für mich als Kind. Danach natürlich das dazugehörende Essen draußen vor der Kirche, Bratwürstel und Kraut, ein schönes Beisammensein und zum Abschluss natürlich Süßigkeiten, die man kaufen konnte und ein wunderbares Bronzekreuz, damals topmodern. Es hängt heute immer noch bei meinem Arbeitszimmer, das ich damals gekauft habe und dann gleich beschriftet habe, wo es her ist und aus welchem Jahr.

Und im Rückblick, Sie merken schon, die Erinnerung ist noch schillernd im Kopf. Dieses wunderbare Fest, dieses Marienfest, das dort gefeiert wurde, mit allem, was in der Kirche und danach auch in Bayern dazugehört, war für mich ein Stück als Kind und Jugendlicher in den Himmel hineinschauen, anders kann ich es nicht sagen. Und damals, so glaube ich, hatte ich ohne Theologiestudium wohl ein wenig von dem Teil des heutigen Festtages erspürt, was das Festgeheimnis beinhaltet.

Denn am heutigen Tag Mariä Himmelfahrt bekennen wir als Katholiken ja klar, dass wirklich Maria mit Leib und Seelen in den Himmel aufgenommen worden ist und uns den Weg dahin mit Christus ein wenig klarer gemacht hat. Auch wenn dieses Bekenntnis eine klare theologische Aussage ist, die in die Zukunft gerichtet ist, meine ich, das heutige Fest zeigt uns auch für unser Leben in dieser Welt schon so einiges. In Maria dürfen wir nämlich in ihrem Leben erkennen, in mehrfacher Hinsicht, dass der Himmel Gottes, den wir ersehnen dürfen, den wir klar vor Augen haben dürfen, ja, dass das Reich Gottes in der Fülle im Himmel auf Erden schon unter uns gegenwärtig ist.

Maria sagt trotz aller Widrigkeiten ihres Lebens immer wieder Ja zu Gott, erkennt, dass Gottes Reich schon da ist. Sie erkennt, dass er Großes mit ihr vorhat bis dahin, dass ihr Ja, ihr wichtiges Ja, das Tor des Sohnes Gottes in die Welt hinein wird, sodass hier das Reich Gottes erfahrbar werden kann. Maria schaut nicht auf sich, sie dreht sich nicht um sich selbst, sondern sie hat einen klaren Blick auf Gott, der ihr Lebensinhalt ist.

Immer wieder in ihrem irdischen Leben verweist sie auf ihren Sohn, ja damit auf Gott selbst, stellt sich selbst in den Schatten Gottes und wird damit für uns auch in dieser Welt schon zum Wegweiser ins Reich Gottes in die Ewigkeit hinein.

Liebe Schwestern und Brüder, für mich ist klar, das heutige Fest zeigt unserem Vorbild Mariens mehr als deutlich, wenn Maria in die Herrlichkeit Gottes aufgenommen wurde mit Leib und Seele, was wir heute ja bekennen, dann weist sie uns damit auch den Weg in die wahre Heimat. Und sie zeigt uns, wie es gelingen kann, schon in dieser Welt die Gegenwart Gottes zu verspüren und selbst mit unserem Leben für andere darauf zu verweisen.

Ich meine ganz einfach, wie das geht, indem wir es wieder mehr als Kirche, aber auch als Gesellschaft, nicht sich allein um sich selbst zu drehen, um sich selbst zu kreisen, sondern auf Gott mehr zu blicken. Indem wir in unserem Leben Gott einfach Vertrauen schenken, wie Maria auch in widrigen Lebensmomenten.
Und für mich ganz persönlich ein großer Punkt, in dem ich Vertrauen in Gott haben kann, indem ich mein Leben gelassen lebe in der Gegenwart Gottes, trotz aller Schwierigkeiten, weil ich doch durch Maria endgültig weiß, wo meine wahre und eigentliche Heimat ist, auf die ich zugehen darf.

Liebe Schwestern und Brüder, ganz klar, den Himmel auf Erden gibt es nicht in seiner Gänze. Manchmal als Kind oder als Jugendlicher kann man den erspüren, so wie es mir damals ging, übertragenen Sinn. Und ich meine, ist es doch möglich, das Reich Gottes auf andere Hinsicht ebenso spürbar zu machen.

Wenn wir einander so begegnen, wie das Maria mit Gott und mit ihren Mitmenschen ein ganzes Leben lang als Vorbild getan hat. Wenn wir Maria Gott in die Mitte unseres Lebens stellen, kurzum. Ja, wenn wir auf das Ziel hin leben, das Maria am heutigen Tag schon erreichen dürfte, die Fülle des Lebens bei Gott, auf die wir hinfiebern dürfen.

Amen.