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2026-08-09, Predigt 1 Kön 19, 9ab.11b–13, Langsamer durchs Leben gehen, Kaplan Florian Illek

09. August 2026

Vor über 200 Jahren, da schrieb der Göttinger Physikprofessor Georg Christoph Lichtenberg in seinem Sudelbuch folgenden Text. Es gibt zwei Wege, das Leben zu verlängern.

Erstens, dass man die beiden Punkte geboren und gestorben weiter voneinander bringt und also den Weg länger macht. In diesem Fache haben einige unter den Ärzten sehr viel geleistet.

Die andere Art ist, dass man langsamer geht und die beiden Punkte stehen lässt, wo Gott will. In diesen scheinbar ganz nüchternen Sätzen, da versteckt Lichtenberg eine Frage, die heute aktueller ist denn je.

Die Medizin, sie entwickelt sich immer weiter, schreitet immer weiter fort. Die Lebensdauer verlängert sich immer mehr. Noch nie in der Geschichte hatten die Menschen so viel Lebenszeit und auch freie Zeit zur Verfügung.

Aber hat diese Verlängerung, hat dieses Mehr an Zeit auch ein Mehr an Leben zur Folge? Lichtenberg er gibt den Appell mit auf den Weg, geh langsamer. Lebe wach und bewusst in der Zeit, die dir zur Verfügung steht. Ein Appell, den uns auch die Texte des heutigen Tages mitgeben.

Geh langsamer, dann behältst du die Orientierung. Dann kannst du dich vergewissern, ob du noch auf dem richtigen Weg bist. Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer noch schneller als der, der ohne Ziel umherirrt.

So schreibt es ein Zeitgenosse von Lichtenberg, Gotthold Ephraim Lessing. Geh langsamer, dann kannst du den Dingen auf den Grund gehen, den entscheidenden Fragen nachgehen. Wer bin ich eigentlich? Wem verdanke ich mein Leben? Und was hat Gott mit mir vor?

Geh langsamer, dann werden wir wie der Prophet Elia erfahren, dass Gott nicht im Großen und Lauten, sondern im Unscheinbaren, im Leisen, im leisen Säuseln zu finden ist.

Geh langsamer, dann findest du Zeit, ganz bei dir zu sein, in dich hineinzuhorchen und die oft sehr leise Stimme Gottes zu hören. Geh langsamer und lass wie Jesus die anderen vorausgehen, vorausfahren, vorauseilen, damit du Zeit findest, mit dir allein zu sein und Gott in der Einsamkeit und im Gebet zu begegnen. Geh langsamer, dann wirst du wie die Jünger erkennen, wer dir in stürmischen Zeiten zu Hilfe kommt, wer bei dir bleibt, wenn dir das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht, wem du wirklich vertrauen kannst, wenn Wind und Sturm dir ins Gesicht blasen.

Dann wirst du erkennen, dass du einen Halt hast, auch wenn Terminflut, Hektik und Alltag einem den Boden unter den Füßen wegreißen. Geh langsamer, dann spüren wir, dass Jesus uns seine rettende Hand entgegenstreckt. Dann spüren wir, dass Gott der tragende Grund in unserem Leben ist.

Zwei Wege gibt es, um das Leben zu verlängern, sagt Lichtenberg. Wenn wir das Thema nicht allein den Ärzten überlassen wollen, sondern auch den zweiten Punkt, den zweiten Weg wählen wollen und ein wenig langsamer und bedachter durchs Leben gehen wollen, dann sind Zeiten wie jetzt die Sommermonate, die Sommerwochen, die Ferien eine gute Zeit dafür.

Amen.