2026-08-08, Predigt Mt 14, 22–33, Der Sturm auf dem See, Pfr. Stephan Rödl
Liebe Schwestern und Brüder,
seit drei Jahren genau muss ich beim heutigen Evangelium sofort immer an eine Reise nach Malta denken.
Dort war ich mit einem Mitbruder, wir hatten dort eine Vorbereitung für eine Hochzeit zu treffen, in meinem Urlaub unterwegs und wir waren von einer Insel auf Malta, von der Hauptinsel, von Valletta, von der Hauptstadt aus mit einem Schnellboot unterwegs zur zweiten kleinen Insel nach Gozo. Am Vorabend war das Meer sehr aufgewühlt, weil ein großer Sturm herrschte und auch an diesem Tag war das Meer noch unruhig.
Und Sie können sich vorstellen, wenn ein Schnellboot auf den Wellen dahin fährt, wie stürmisch das dann wird und wie sehr man in diesem Boot herumgeworfen wird. Mir macht es Gott sei Dank nichts aus, aber es waren einige Leute im Boot dabei, die sich nicht nur fast die Seele aus dem Leib gespien hätten, sondern die wirklich Angst hatten, da nicht mehr rauszukommen. Das war buchstäblich greifbar, diese Angst von manchen Menschen.
Seitdem ich das erlebt habe, ist mir klar geworden, was das heutige Evangelium für die Jünger bedeutet. Es ist zum Evangelisten Matthäus mit Sicherheit nicht einfach so gewählt worden, das so zu komponieren, sondern der Sturm auf den See, den verstehen wir auf den ersten Blick und wir können die tiefe Dimension ebenso verstehen. Die Jünger sind auf diesem Schiff der damals noch jungen Kirche unterwegs, und der See ist die Welt um sie herum, der Sturm schlichtweg der massive Gegenwind, der alles um sie herum aufwirbelt, die See, auf der sie unterwegs sind, unruhig macht, der Wind, der ihnen harsch in die Nase weht, weil sie nämlich eine neue Botschaft von Jesus Christus in die Welt bringen wollen und diese Botschaft so ganz und gar nicht angenommen werden will.
Drei Dinge, drei Schritte erschließen sich heute im Evangelium, wenn ich es lese, ganz deutlich und prägnant. Zuerst sehen wir darin die bodenlose Angst der Jünger, wie auf einem Boot eben, wie ich sie selbst spüren durfte bei Menschen. Ganz deutlich, es ist die Welt voller Gegenwind und Unwirtlichkeit, in der sie leben müssen.
Dann im zweiten Schritt das Erscheinen Jesu, der seinen Jüngern nahe sein möchte, eben gerade in diesen stürmischen Zeiten. Und der dritte Schritt, das doppelte Zweifeln, dass Jesus zweimal gefragt wird, bist du es wirklich Herr? Und einmal beim ersten Mal sinkt er sogar ein, der Jünger. Liebe Schwestern und Brüder, ich meine, wenn wir in unserem Leben in Situationen, die uns herausfordern, in denen wir zweifeln, ganz einfach manchmal wirklich Zweifel im Kopf haben, dann sind wir mit den Jüngern zunächst in guter Gesellschaft.
Dann, wenn uns persönlich, in der Familie, in Freundschaften, auch der Gegenwind in der Gesellschaft als Christen kalt entgegenweht, brauchen wir uns nicht zu schämen. Wenn auch mir manchmal über die Zunge kommt, kümmert es dich nicht, Herr, dass ich gerade untergehe. Gerade in diesen Zweifeln aber gilt es, wie es auch die Jünger Schritt für Schritt lernen mussten, besonders auf ihn zu vertrauen und ihnen den Zeichen der Offenbarung zu erkennen, in denen Jesus auch uns nahe ist, auch heute.
Gerade in einer heutigen Zeit, in der vieles immer schwieriger wird, zerstrittener, zersplitterter, sicher eine große Herausforderung, aber wir merken, den ersten Jüngern ging es nicht anders und erst als sie vertrauten, ging es einen Schritt weiter. Der Evangelist Matthäus möchte uns heute mit einem kleinen Detail im Evangelium vielleicht Mut machen, genau diese Schritte zu wagen. Es gilt zu verstehen, wie Petrus, dass es Menschliches braucht, auf das sie vertrauen müssen, aber dass wir Gott nie aus dem Auge verlieren dürfen.
Petrus geht beim Gehen auf dem Wasser unter, als er nur in die menschlichen Kategorien der Physik denkt. Er denkt, das kann nicht funktionieren, vertraut nicht. Im zweiten Teil aber, als er Gott zutraut, mehr zu können, als ich als Mensch das so mag, schaffte er es buchstäblich sogar, auf Jesus zu auf dem Wasser zu gehen.
Liebe Schwestern und Brüder, das so realistisch daherkommende Evangelium hat es heute für mich in sich, weil es mich herausfordert. Es gilt nämlich für mich mit den Jüngern zu erkennen, zunächst, dass Gott ungleich viel mehr vermag, als ich das in meiner eigenen Denkkategorie, in meinem menschlichen Kopf zu ergreifen vermag. Aber diese Herausforderung im Zweiten gilt es anzunehmen und Jesus wirklich als den Sohn Gottes zu erkennen, auch in meinem Leben.
Und dann ja, wer ihm so nachfolgt, auf ihn vertraut, dass er auf rauher See nie von meiner Seite weicht. Er darf das ganz persönlich, da bin ich mir sicher erfahren, als Christ, als Mensch auch heute, dass er wirklich da ist, wenn es darauf ankommt. Amen.

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- 2026-08-15, Predigt LK 1,39-56, Mariä Himmelfahrt, Pfarrer Stephan Rödl
- 2026-08-09, Predigt 1 Kön 19, 9ab.11b–13, Langsamer durchs Leben gehen, Kaplan Florian Illek
- 2026-08-08, Predigt Mt 14, 22–33, Der Sturm auf dem See, Pfr. Stephan Rödl
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