2026-07-18, Predigt Mt 13, 24-43, Das Unkraut nicht ausreißen…, Pfr. Erich Renner
Liebe Schwestern und Brüder, lasst beides wachsen bis zur Ernte. Das Unkraut soll stehenbleiben. Etwas, was uns irgendwie widerstrebt.
Wer einen Garten hat, weiß, dass die Unkrautvernichtung ja wesentlich zum besseren Ertrag beiträgt, und in der Landwirtschaft ist es ähnlich. Und wir Menschen haben eben dieses Bestreben, auch unter uns gleichsam das Unkraut zu beseitigen, dass die Bösen bestraft oder beseitigt werden. Aber Jesus sagt, nein, lasst beides wachsen bis zur Ernte.
Was ist die Ernte? Das ist das Gericht. Wenn Christus wiederkommt am Jüngsten Tag, dann wird erst ganz sichtbar sein, wo die Trennungslinie verläuft zwischen Guten und Bösen. Bis dahin ist es irgendwo verborgen.
Und wir sind nicht berechtigt, die Bösen ausrotten oder beseitigen zu wollen. Wir müssen mit ihnen leben. Wir müssen das Unkraut wachsen lassen.
Das ist die Botschaft des heutigen Evangeliums. Aber warum? Warum soll beides wachsen bis zur Ernte? Warum sollen bis zum Gericht Böse und Gute sich gleichsam entfalten können? Dafür gibt es wenigstens drei gute Gründe.
Der erste Grund ist, weil wir das gar nicht beurteilen können, wer wirklich gut und böse ist.
Nicht, dass wir naiv sein müssen. Natürlich sehen wir oft ein Fehlverhalten bei anderen Menschen. Aber ob ein Mensch in sich, in seinem Herzen böse ist, ja, welche Haltung, welche Gesinnung er hat, das können wir gar nicht feststellen.
Denn nur Gott sieht in das Herz des Menschen. Nur er weiß, warum jemand so denkt, redet oder handelt. Nur er kann den Menschen richten und letztendlich beurteilen.
Darum müssen wir das Gott überlassen und uns selber entlasten. Wir müssen es gar nicht wissen, wie ein Mensch vor Gott steht. Das reicht, wenn Gott es weiß und dann entsprechend diesen Menschen auch beurteilt beim Gericht.
Wir können also gar nicht die Menschen so einteilen, weil das unsere Kompetenz übersteigt. Und das bedeutet für uns als erster Handlungsimpuls, dass wir eben uns sehr zurückhalten sollen im Urteil über andere Menschen. Wir sind oft sehr schnell im Urteilen, neigen auch zu Schwarz-Weiß-Denken, eben Böse, Gute werden so eingeteilt.
Und natürlich immer sind wir auf der guten Seite, ist ja logisch, aber das ist eben schwierig. Dieses Schwarz-Weiß-Denken, wo man automatisch sich auf die weiße Seite platziert. Wir sollen lieber das Unkraut bei uns ausreißen.
Bei uns selber müssen wir es bekämpfen, aber nicht die anderen bekämpfen. Das ist nicht unsere Aufgabe. Also erstens: Sei zurückhaltend in einem Urteil über andere, weil eben nur Gott den Menschen beurteilen kann.
Das ist der erste Grund, warum das Unkraut stehen bleiben soll.
Der zweite Grund ist die Langmut Gottes. Gott hat unendlich viel Geduld mit den Sündern und damit auch mit uns, weil wir ja alle Sünder sind.
Gott kann lange zuschauen, aber das ist kein reines Zuschauen, sondern indem Gott abwartet, schickt er den Menschen immer wieder Hilfen, immer wieder Gnaden, falsche Wege zu verlassen. Dass Gott oft lange wartet mit einem Urteil oder dass ein Mensch dann die Konsequenzen seines Handels tragen muss, ist, weil er die Umkehr möchte. Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er umkehrt und lebt.
Und diese Geduld Gottes ist ein Zeichen seiner Stärke, nicht seiner Schwäche. Wir Menschen denken oft, warum greift Gott nicht ein, warum vernichtet er nicht die Kriegstreiber und so weiter? Wir meinen, Gott ist schwach, Gott hat sich zurückgezogen, Gott kümmert sich nicht um uns.
Aber die erste Lesung hat es uns deutlich gesagt, mehrmals, immer wieder, es ist ein Zeichen seiner Stärke, dass Gott mit Nachsicht und Milde urteilt. Der Starke kann dem Anderen Zeit zur Umkehr geben. Das ist die Stärke Gottes, seine Langmut.
Und wir sind nun aufgerufen, der zweite Handlungsimpuls, dass auch wir diese Langmut Gottes lernen. Die Langmut ist eben die Geduld mit den Sündern und das ist eine der zwölf Früchte des Heiligen Geistes. Letzten Sonntag haben wir gehört im Evangelium, wir sollen Frucht bringen.
Der Same des Wortes Gottes soll in unserem Herzen aufgehen und reiche Frucht bringen. Und diese Früchte sind letztlich die Früchte des Heiligen Geistes, eben auch die Langmut. Auch wir sollen dem anderen die Chance einräumen, sich zu bessern, sich zu ändern.
Und wir sollen nie sagen, aus dem wird nie etwas. Wir sollen auch nicht bei uns selber an der Umkehr verzweifeln, wenn wir oft meinen, diesen Fehler bekomme ich einfach nicht los oder ich werde nie ein besserer Mensch. Nein, auch das ist falsch.
Gott hat viel Geduld mit den Sündern, das heißt mit uns allen. Wir müssen auch Geduld haben mit uns selber, immer wieder neu beginnen, bis wir es schaffen, und immer auch Geduld haben mit den anderen. Also, warum muss das Unkraut stehen bleiben? Damit der Sünder Zeit hat, sich zu bekehren.
Und noch ein dritter Gedanke, warum muss das Unkraut stehen bleiben? Damit wir die Liebe lernen. Stellen Sie sich vor, es gibt in der Pfarrei nur nette, freundliche Leute. Alle sind hilfsbereit, zuvorkommend, grüßen immer freundlich, alles ist super.
Da wird man meinen, wir sind schon heilig, weil da fällt es nicht schwer, freundlich zu sein, wenn alle zu einem nett sind. Aber wenn eben nicht alle nett sind, das ist eben die Challenge, das ist die Herausforderung immer wieder, trotzdem nett zu sein, trotzdem zu lieben, gerade dadurch die Liebe, die Geduld, die Güte, die Nachsicht, die Langmut zu lernen. Also, wir brauchen gleichsam die bösen Menschen, wo wir selber auch nicht zu hundertprozentig gut sind, wir brauchen eben die anderen, die lieben Mitmenschen, sage ich es mal so, als Werkzeuge, die uns helfen, in der Liebe zu wachsen.
Das ist der dritte und ein ganz wichtiger Grund eben, warum Gott das Unkraut stehen lässt. Wir brauchen einander, und wir müssen an einander wachsen und reifen, damit wir letztlich heilig werden. Das ist unsere Mission.
Ja, darum zum Schluss der Tipp der Woche. Versuche, zurückhaltender zu sein in deinem Urteil über andere. Amen.

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- 2026-07-18, Predigt Mt 13, 24-43, Das Unkraut nicht ausreißen…, Pfr. Erich Renner
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