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2026-07-05, Predigt Mt 11, 25-30, Nehmt mein Joch auf euch…, Pfr. Erich Renner

05. Juli 2026

Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, die erste Lesung aus dem Propheten Zacharias versetzt uns heute in den Palmsonntag.

Da war die Rede von dem König, der demütig auf einem Esel reitet. Und so feiern wir es ja am Palmsonntag, dass Jesus in Jerusalem einzieht als König des Friedens.

Mit diesem Esel, der ja ein Lasttier ist. Und damit deutet Jesus schon an, durch dieses Tier, auf dem er reitet, dass er selber gekommen ist, unsere Lasten mitzutragen. Ja, er hat dann eben nach diesem Einzug am Palmsonntag die Last des Kreuzes für uns getragen.

Das war der Höhepunkt seines Dienstes für uns. Dieser demütige König, er dient uns, denn Demut ist Mut zum Dienen. Und Jesus hat ja selber gesagt, der Menschensohn, er ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Im Evangelium sagt Jesus, lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen. Er will also, dass wir diese Demut lernen, diesen Mut zum Dienen lernen von ihm, von seinem Herzen her. Sein Herz war so von Liebe, von Hingabe, von Zuneigung zu den Menschen erfüllt, dass er eben wirklich unser Diener geworden ist.

Er hat beim letzten Abendmahl den Jüngern die Füße gewaschen als äußeres Zeichen dieses Dienens. Und wir sollen ihm darin nachfolgen. Wir sollen auch Menschen sein, die diesen Mut haben zu dienen, Mut für andere da zu sein und ohne Angst dabei etwas zu verlieren.

Im Galaterbrief schreibt der Apostel Paulus, einer trage des anderen Last, so erfüllt ihr Christi Gesetz. Das gehört also quasi zum Grundgesetz des Evangeliums, diese Hingabe, dieses Dienen, dieses für andere da zu sein. Einer trage des anderen Last.

Dazu sind wir eigentlich da. Nicht um einander Lasten aufzubürden, einem anderen das Leben schwer zu machen, sondern im Gegenteil Lasten gemeinsam zu tragen. Dann sind sie leichter zu ertragen.

Die Gesellschaft lebt von Menschen, die einander nicht Lasten aufbürden, sondern Lasten abnehmen. Der Staat lebt von Menschen, die nicht nur etwas herausholen wollen, sondern was hineinstecken, was investieren für das Allgemeinwohl. Die Kirche lebt von Menschen, die füreinander da sind.

Die Pfarrgemeinde lebt von Menschen, die mehr tun als ihre Pflicht, als das unbedingt Notwendige, die füreinander da sind, die einander selbstlos dienen, ohne Lohn, Anerkennung und Dank zu erwarten, einfach aus Liebe, aus Freude, von Glauben heraus. Eben aus dieser Haltung der Demut. Ich bin da für andere.

Ich bin nicht nur für mich selbst auf der Welt. Davon lebt eine Pfarrgemeinde. Und darum haben wir heute diesen Empfang für die Ehrenamtlichen der Pfarrei, die oft das ganze Jahr oder manche auch sporadisch ein paar Mal im Jahr, je nachdem, ihre Aufgaben mit Liebe und Hingabe erfüllen.

Und die Einladungsliste waren tatsächlich etwa 250 Personen, die sich unserer Pfarrei Donaustauf und Sulzbach ehrenamtlich engagieren. Das sind wirklich eine Menge von Leuten. Und dafür bin ich dankbar und darüber freue ich mich, dass auch in unserer Zeit, wo man nur von Egoismus und Ellenbogengesellschaft spricht, es noch so viele Menschen gibt, die einfach dienen, die einfach für andere da sind.

Diese Demut haben, diesen Mut zu dienen. Davon lebt die Kirche. Davon lebt eine Pfarrei.

Liebe Brüder und Schwestern, also Mut zum Dienen, das ist der eine Aspekt der Demut. Aber Jesus sagt, lerne von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen. Das bedeutet noch ein zweites, sehr wichtiges, was im Grunde die Voraussetzung für das Erste ist.

Nämlich, Demut heißt auch, Mut sich helfen zu lassen. Und das anerkennen, dass wir kleine, schwache Menschen sind. Dass wir Geschöpfe Gottes sind mit unseren Grenzen, Schwächen und Fehlern.

Und Demut heißt, seine eigenen Grenzen annehmen und sich helfen lassen von anderen und auch von Gott. Der Stolz ist ja quasi, ich brauche niemanden. So auch die Ursünde im Paradies, quasi diese Emanzipation von Gott.

Wir brauchen dich nicht, wir wissen selber, es ist noch besser. Ja, wir lassen uns das einflüstern vom Widersacher, dass wir dich gar nicht brauchen eigentlich. Das ist der Stolz.

Die Demut sagt, ja, ich brauche Hilfe von Menschen und von Gott, weil ich selber auch nicht alles kann und meine Grenzen habe. Jesus sagt uns heute im Evangelium, er will uns nicht Lasten aufbürden, nicht das Leben schwerer machen. Das Evangelium ist keine Lehre, die das Leben schwerer macht, die uns erdrücken will.

Sondern im Gegenteil, Jesus will uns helfen, die Last zu tragen, sie leichter zu machen. Als Seelsorger bin ich manchmal erschüttert, wie viel Lasten Menschen zu tragen haben. Durch Krankheit, Schicksalsschläge, Nöte verschiedenster Art, wo ich mir denke, wie kann ein Mensch das tragen? Aber, meine Lieben, wenn wir ehrlich sind, oft sind wir selber es, die uns, die sich überfordern.

Weil wir oft meinen, keine Schwäche zeigen zu dürfen, stark sein zu müssen, alles machen zu müssen, keine Hilfe anzunehmen, immer da zu sein und alles muss perfekt sein. Und das ist etwas, wo wir uns selber unter Druck setzen, wo wir selber uns das Leben eigentlich schwer machen und uns Lasten aufbürden, die wir eigentlich gar nicht tragen müssten. Jesus will uns nicht überfordern.

Er sagt, mein Joch drückt nicht, meine Last ist leicht. Dieses sanfte Joch Jesu, das dürfen wir tragen und das können wir tragen. Weil wir überzeugt sein dürfen, dass er nicht mehr von uns verlangt, als wir tragen können.

Und vor allem, das ist das Entscheidende, er hilft uns beim Tragen. Demut heißt ja, sich helfen lassen von Jesus. Aus dieser Gnade leben, aus dieser Kraft seines Herzens.

Sein Herz, das so von Liebe erfüllt ist, will ja unser Herz auch mit dieser Liebe erfüllen. Wo die Liebe ist, diese Freude an Gott, dort ist der Mensch auch bereit zum Dienen. Und darum sagte ich eben das Zweite, dieser Mut sich helfen zu lassen, ist die Voraussetzung für das Erste, für das Dienen, für die Demut des Dienens.

Und erst wenn diese Liebe in uns ist, diese Freude an Gott, dann wird manche Last leicht, auch wenn es nicht immer einfach ist. Aber dann werden wir fähig, manchmal über uns hinaus zu wachsen, dass wir manchmal im Nachhinein sagen müssen, ja, wie konnte ich das alles eigentlich schaffen, wenn zum Beispiel ein Angehöriger jahrelang zu pflegen war und so weiter, oder ein Angehöriger sagen, ja, wie habe ich das eigentlich geschafft? Aber der Mensch wächst durch die Liebe über sich hinaus und wird fähig, wirklich zu dienen, wenn er auch diese Demut hat, sich helfen zu lassen, seine Grenzen zu sehen und aus der Gnade Gottes, aus der Liebe und Kraft Gottes zu leben. Anders gesagt, Stolz ist, die Last ohne Jesus tragen, Demut ist, die Last, die uns ja eh auferlegt ist, mit Jesus zu tragen.

Und dadurch wird sie tragbar. Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, die mit ihren Lasten herumläuft und jeder hat eben welche Lasten im Leben zu tragen. Ich werde euch Ruhe verschaffen, den inneren Frieden.

Wo nicht ständig dieser Druck ist, ich muss das und das und das alles hundertprozentig machen, sondern diese Freude an Gott. Ihr werdet Ruhe finden für eure Seele, wenn ihr die Lasten mit mir tragt, wenn ihr die Grenzen annehmt, wenn ihr auch mal zugebt, nein, das schaffe ich nicht, das kann ich nicht, das ist nicht so meine Fähigkeit, das auch annehmen und akzeptieren. Meine Lieben, das ist im Grunde auch das, was der Herr meint heute mit den unmündigen Männern, den Vater preist, dass er den Unmündigen diese Geheimnisse des Reiches Gottes geoffenbart hat.

Die Unmündigen, das sind nicht die Zurückgebliebenen oder die Einfältigen, denn die Unmündigen sind im Grunde, die es kapiert haben, worum es geht, nämlich um dieses Kindsein, was uns in der Taufe geschenkt worden ist. Wir sind Kinder, wir sind vor Gott ganz klein, hilfsbedürftig, Geschöpfe mit ihren Grenzen und Schwächen. Und wer das verstanden hat, wer dann ganz aus dieser Liebe und Gnade Gottes lebt, durch das Gebet, durch die Sakramente, durch die Heilige Schrift und so weiter, der kann eben anderen mit Freude, mit Hingabe dienen.

Wer dieses Kindsein, dieses Unmündigsein, dieses Kleinsein annehmen kann in Demut. Liebe Brüder und Schwestern, fassen wir also zusammen, Demut ist zum einen Mut zum Dienen, aber auch Mut sich helfen zu lassen. Beides hat Jesus uns vorgelebt.

Er ist eben nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen. Und er hat auch dieses Kindsein uns vorgelebt, als Mensch vor allem, ganz sich in der Hand des Vaters gewusst, auf den er ganz und gar vertraut hat, bis ans Kreuz, wo er die schwerste Last zu tragen hatte. Da hat sich dann sein Vertrauen noch zum Höhepunkt gesteigert, wo er dann sagen kann, Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.

Das ist der höchste Ausdruck seines Vertrauens, seines Kindseins. Und das wollen wir von ihm lernen. Lern von mir, denn ich bin demütig von Herzen.

Das ist heute die Lektion, die uns der Herr erteilt, diese Demut zu lernen. Aber das ist ein schöner Weg, der frei macht, der von diesem unguten Druck befreit und der uns eigentlich erhebt und in dieser Kleinheit, die wir annehmen, dann groß macht.

Zum Schluss noch der Tipp der Woche. Versuche, eine Schwäche dir und anderen einzugestehen und dadurch fähig werden, Hilfe anzunehmen von Menschen und von Gott. Amen.